» Überschattet von den Terroranschlägen gab es durchaus Überlegungen, ob die Ruppertsecker Kerwe in diesem Jahr überhaupt stattfinden sollte. Nach eingehender Diskussion und mit Rücksicht auf die umfangreichen Vorbereitungen entschied man sich letztendlich doch dafür, es jedem Einzelnen zu überlasen, ob er mitfeiern oder zu Hause bleiben möchte.

So fehlte bei der Eröffnung am Freitag ein erheblicher Teil der älteren Generation, was nach Auskunft von Kerwevadder Sebastian Stollhof der Stimmung keinen Abbruch tat. Auch am Samstag ging es im Saal des Bürgerhauses hoch her, als die Gruppe „Promisis“ aufspielte und vor allem die jüngeren Besucher immer wieder den original Ruppertsecker Knubber tanzen wollten.

„Buenos Dias Amigos von Rubbezecke bis Mexiko“ lautete der Schriftzug auf dem Umzugswagen der Kerweborsch in Anspielung auf die neueste Kreation des Hauptsponsors Bischoff. Als Chauffeur des „RVC“ (Ruppertsecker Vollsauf Club“) fungierte „de Dielkeier Holzschneider“, während Kerwevadder und -redner Stollhof standesgemäß einspännig gefahren wurde. Nicht zuletzt, weil am Montag noch eine Wette zwischen Pferd Felix und dem Kutscher ausgetragen musste, bei der es natürlich darum ging, wer denn nun mehr Bier verträgt. Mit von der Partie waren auch die befreundeten Kerweborsch aus Würzweiler, Dannenfels und Marienthal.

Der örtliche Männergesangverein klärte die Schaulustigen auf, was unter einem Rollbraten zu verstehen ist, die einheimischen Judoka verwiesen Medaillen behangen auf ihre Erfolge, gefolgt von der übrigen Dorfjugend auf bunt geschmückten Rädern. Die Nachbarn aus Würzweiler hatten nicht nur ein maßstabsgetreu nachgebautes Modell ihres Glockentürmchens dabei, sondern auch die letzten glücklichen Hühner in Gestalt der Gesangvereinsfrauen. Aus Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge verzichtete der Gemeinderat auf einen eigenen Wagen.

Vor dem Bürgerhaus mussten sich die zahlreich erschienenen Besucher dann den berühmten Spiegel vorhalten lassen. Umrahmt von Beiträgen des Musikvereins Dannenfels wurden die Highlights des Dorfgeschehens mit spitzer Feder karikiert und zur Sprache gebracht. Nach PS-Zahlen geordnet ging es zunächst um die Fahrkünste der einheimischen Bevölkerung. Doch auch seinem eigenen Missgeschick im vergangenen Jahr, das er als Opfer dank Zylinder heil überstand, konnte Stollhof amüsante Seiten abgewinnen.

Natürlich war auch des Öfteren der Alkohol im Spiel, der Stoff für die Ausführungen lieferte. Die Höhenluft sorgte aber offensichtlich auch dafür, dass überdurchschnittlich häufig die Hochzeitsglocken läuteten und sich alsbald die entsprechenden Folgen einstellten. Vom vermeintlichen 50. Geburtstag eines im Exil lebenden Ruppertseckers, der de facto erst 48 wurde, gab es ebenso Humorvolles zu berichten wie von der Hundeliebe, der die erste Läufigkeit einigen Abbruch tat. Da lohnte es sich schon, die Verkleidung als Frau anzubehalten, denn die gleiche Person war gleich wieder Opfer des humorvollen Spottes: denn die gut gemeinte Urlaubsvertretung bei den Nachbarn gestaltete sich schwieriger als gedacht.

Natürlich kam auch der 75. der beiden Zwillinge zur Sprache, der auch trotz kalter Suppe und wenig gelungener Renovierungsversuche als geglückt bezeichnet werden konnte. Schließlich gab es auch beim Jubiläumskonzert des Landfrauenchors Grund zum Lachen; der gespielteWitz eines einschlägig bekannten Herrn anlässlich der Würzweilerer Kerwe sorgte für Lacher. Nicht zuletzt Dank Alleinunterhalter Wolfgang Bayer aus Nussbach, der schon seit mehreren Jahren am Montag aufspielt, wurde der Frühschoppen zu einem weiteren Höhepunkt im Kerwegeschehen. Am heutigen Dienstag ist die Grabesruhe für ein weiteres Jahr angesagt. Zeit genug für weibliche Besucher, die beim Knubber davongetragenen Blessuren auszukurieren. (mhz)