» INTERVIEW: Mit der Aussage „Morgen Ihr Luschen“ wurde der Ausbilder Schmidt bundesweit bekannt. Heute ist der Macho mit Kampfanzug Kult. Hinter dem lautstarken Spaßmacher verbirgt sich Comedian Holger Müller. Der war tatsächlich bei der Bundeswehr, fährt aber dennoch nicht mit dem Panzer zu den Auftritten. Am 18. März gastiert er mit seinem aktuellen Programm in Ruppertsecken.
Ohne Kampfanzug, Sonnenbrille und Zigarre sieht der Ausbilder ganz anders aus.
Ja. Wenn ich in Köln unterwegs bin, erkennt mich eigentlich auch niemand. Sie fahren aber nicht mit dem Panzer zu Ihren Auftritten, oder?
Nein. Da nehme ich dann doch lieber meinen Kombi.
War Holger Müller überhaupt bei der Bundeswehr?
Aber sicher. Ich habe meinen Wehrdienst geleistet. Aber nur bei der Luftwaffe. „Luschenzeit“ würde das der Ausbilder nennen.
Apropos Ausbilder: Wie viel Ausbilder Schmidt steckt denn eigentlich in Holger Müller?
Auf den ersten Blick eigentlich nicht viel. Aber der Ausbilder ist manchmal ein bisschen tollpatschig. Das bin ich auch. Zudem spielt der Ausbilder den Chef. Ich habe auch oft den Wunsch, ein Alpha-Tierchen zu sein.
Ist es nicht manchmal auch schwierig, als Ausbilder in einer Rolle eingezwängt zu sein?
Ich gerate da oft in eine Einbahnstraße. Der Ausbilder ist eine extreme Figur, die es so in Deutschland nicht noch einmal gibt. Ich wollte zum Beispiel schon immer andere Menschen parodieren. Da ist mir jahrelang keine vernünftige Lösung eingefallen, wie ich das als Ausbilder machen kann. Im aktuellen Programm ist mir das aber gelungen.
Apropos aktuelles Programm: Was erwartet den Besucher denn am 18. März in Ruppertsecken?
Jede Menge Anschiss für jeden. Ansonsten sollte man die Beichte vom Ausbilder und die Filmnummer nicht verpassen. Aber ich denke, der eigentliche Höhepunkt ist, dass der Ausbilder viele Sachen macht und kann, die man so von ihm nicht erwartet. Und nach der Show werde ich noch exklusive Klingeltöne auf die Handys brüllen. Die kosten keine 1,99 Euro.
Wird ihre Stimme vom vielen Schreien bei den Auftritten nicht sehr stark belastet?
Das habe ich schon früh gemerkt. Deswegen war ich auch bei einer Logopädin. Die war erstaunt, was ich für ein Volumen in der Stimme habe und hat mir geraten, mehr aus dem Bauch heraus zu sprechen. In meinem aktuellen Programm singe ich auch. Das krieg‘ ich noch nicht so aus dem Bauch heraus hin. Vor jedem Auftritt mache ich fast eine halbe Stunde Aufwärmtraining für die Stimme. Das brauche ich einfach, sonst wäre ich regelmäßig heißer.
Als Ausbilder macht man sich nicht nur Freunde.
Das stimmt. Der Ausbilder hat Feindbilder: Schwule, Studenten und Zivis. Oft sind aber viele davon im Publikum. Die finden das klasse, können richtig darüber lachen und verstehen die Ironie hinter der Figur. Zuletzt bin ich in einem Hörsaal vor Hunderten von Studenten aufgetreten. Natürlich haben die richtig was abbekommen. Sie fanden das toll. Der Abend war klasse.
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was nach der Zeit als Ausbilder Schmidt kommt?
Das habe ich. Aber ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit der Kunstfigur Ausbilder Schmidt zehn Jahre lang mein Geld verdienen kann. Vielleicht kommt nach dem Ausbilder eine neue Figur. Die kann aber nicht so erfolgreich sein. Schmidt ist einfach sehr plakativ. Vielleicht werde ich auch Autor für andere Kollegen.
Haben Sie einen Autor für Ihre Gags?
Ja. Ich schreibe aber auch viel selbst. Ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass die meisten meiner Kollegen ohne Autoren auskommen. Du hast im Jahr 200 Auftritte, musst dazu noch ein Programm einspielen. Da bleibt keine Zeit, sich immer wieder neue Gags zu überlegen.
Ihr Kollege Mario Barth ist in diesem Jahr im Olympiastadion in Berlin vor über 70.000 Zuschauern aufgetreten. Wäre das nicht auch was für den Ausbilder?
Natürlich ist vor 70.000 Menschen aufzutreten mit das Schönste, was du als Comedian erleben kannst. Mich müsste man da vorher mit Beruhigungsmitteln vollstopfen. Außerdem bezweifele ich, dass der Ausbilder so ein Stadion füllen könnte. Ich bin vor vielen Jahren schon einmal zusammen mit Mario aufgetreten, als wir beide noch nicht so bekannt waren. Mario ist extrem ehrgeizig. Ihm ist es gelungen, Comedy massentauglich zu machen. Mario ist für mich der beste deutsche Stand-Up- Comedian. (ssl)